„Wir brauchen einen neuen Flyer.“ So beginnen erstaunlich viele Grafikdesign-Projekte. Manchmal ist es eine Broschüre, manchmal eine Präsentation, eine Geschäftsausstattung, ein Messestand, Social-Media-Grafiken oder ein komplettes visuelles Kommunikationssystem. Die Anfrage klingt zunächst nach einem klar umrissenen Produkt. In der Praxis beginnt die eigentliche Arbeit aber eine Ebene früher.
Denn bevor ich gestalte, möchte ich wissen, was diese Gestaltung leisten soll. Wer soll sie sehen? Was soll nach dem Betrachten verstanden werden? Welche Information ist wirklich wichtig? Soll Vertrauen entstehen, eine Marke wiedererkannt, ein Produkt erklärt oder eine Handlung ausgelöst werden?
Genau deshalb ist professionelles Grafikdesign kein dekorativer Arbeitsschritt am Ende eines Projekts. Gestaltung ordnet Informationen, setzt Prioritäten und beeinflusst, wie schnell Menschen Inhalte erfassen und wie sie ein Unternehmen wahrnehmen.
Ein guter Grafikdesign-Prozess macht diese Entscheidungen nachvollziehbar. Er verhindert, dass Gestaltung zur endlosen Folge von Geschmacksdiskussionen wird, und sorgt dafür, dass Auftraggeber und Designer über dasselbe Problem sprechen.
Was ist eigentlich ein Grafikdesign-Projekt?
Das Ergebnis kann sehr unterschiedlich aussehen. Ein Geschäftsbericht folgt anderen Regeln als eine Instagram-Grafik. Eine Messewand muss aus mehreren Metern Entfernung funktionieren. Eine Broschüre wird Seite für Seite gelesen. Ein Logo muss auch sehr klein erkennbar bleiben. Eine Präsentation wiederum muss Informationen so strukturieren, dass Menschen gleichzeitig zuhören und Inhalte auf einer Leinwand erfassen können.
Deshalb gibt es nicht den einen universellen Grafikdesign-Workflow. Die Grundlogik ist aber fast immer ähnlich: verstehen, ordnen, gestalten, prüfen und sauber umsetzen.
In meiner Arbeit hat sich über die Jahre vor allem eine Erkenntnis bestätigt: Je klarer die Aufgabe am Anfang definiert wird, desto weniger unnötige Schleifen entstehen später. Das klingt banal. Es wird trotzdem häufig unterschätzt.

Warum ein klarer Designprozess (Grafikdesign Projektablauf) wichtig ist
Kreativität wird manchmal so dargestellt, als müsse man sie möglichst wenig strukturieren. Ich sehe das anders. Ein guter Prozess schränkt Kreativität nicht ein. Er schafft den Raum, in dem sie sinnvoll eingesetzt werden kann.
Wenn Zielgruppe, Medium, Inhalte, technische Anforderungen und Entscheidungswege ungeklärt sind, entstehen Entwürfe auf unsicherer Grundlage. Später wird dann an Farben, Bildern oder einzelnen Elementen korrigiert, obwohl das eigentliche Problem viel grundlegender ist.
Ein sauberer Designprozess beantwortet deshalb früh einige einfache, aber entscheidende Fragen: Was ist das Ziel? Wer entscheidet? Welche Inhalte stehen fest? Was darf verändert werden? Welche Medien werden benötigt? Welche Termine sind realistisch? Wie viele Korrekturrunden sind vorgesehen? Und wer erteilt am Ende die Freigabe?
Diese Fragen wirken zunächst organisatorisch. Tatsächlich beeinflussen sie direkt die gestalterische Qualität.
1. Erstgespräch und Vorbriefing: erst verstehen, dann gestalten
Am Anfang steht das Gespräch. Dabei geht es noch nicht darum, ob eine Überschrift 32 oder 36 Punkt groß wird. Ich möchte zunächst verstehen, warum das Projekt überhaupt entsteht.
Vielleicht ist die bestehende Broschüre sichtbar in die Jahre gekommen. Vielleicht hat sich das Unternehmen verändert. Vielleicht steht eine Messe an. Vielleicht werden neue Mitarbeiter gesucht. Oder die vorhandenen Unterlagen sehen zwar ordentlich aus, unterscheiden sich aber kaum vom Wettbewerb.
Gerade hier entsteht häufig bereits der wichtigste Teil des späteren Konzepts.
Im ersten Gespräch kläre ich unter anderem:
- Was soll gestaltet werden?
- Warum wird das Projekt jetzt benötigt?
- Wer ist die Zielgruppe?
- Welche Informationen müssen vermittelt werden?
- Welche bestehenden Gestaltungselemente gibt es?
- Gibt es ein Corporate Design oder verbindliche Gestaltungsregeln?
- Welche Medien und Formate werden benötigt?
- Wer entscheidet auf Kundenseite?
- Wann muss das Projekt fertig sein?
- Ist zusätzlich Produktion, Druckabwicklung oder Datenaufbereitung erforderlich?
Ein Fehler, den ich früher selbst häufiger gemacht habe, war zu schnell in Lösungen zu denken. Wenn jemand einen Flyer bestellt, beginnt man gedanklich bereits mit Format, Titelbild und Layout. Heute versuche ich zunächst herauszufinden, ob ein Flyer überhaupt die richtige Antwort ist. Manchmal ist er es. Manchmal wäre eine kompakte Broschüre, Präsentation oder digitale Lösung sinnvoller.
Das gehört für mich ebenfalls zu Gestaltung: nicht nur das gewünschte Medium auszuführen, sondern die Aufgabe dahinter zu verstehen.
2. Angebot und Projektumfang: Klarheit bevor die Arbeit beginnt
Auf Basis des ersten Gesprächs lässt sich der Projektumfang eingrenzen. Daraus entsteht das Angebot.
Ein gutes Angebot sollte nicht nur einen Gesamtpreis nennen. Es sollte deutlich machen, welche Leistungen enthalten sind. Dazu können Konzeption, Entwürfe, Bildrecherche, Bildbearbeitung, Satz, Reinzeichnung, bestimmte Korrekturrunden, Druckdaten und Produktionsabwicklung gehören.
Ebenso wichtig ist, was nicht enthalten ist. Wenn Texte, Übersetzungen, Fotografie, Illustrationen, Stockbilder oder externe Produktionskosten zusätzlich benötigt werden, sollte das früh geklärt sein.
Unklare Angebote führen später schnell zu Missverständnissen. Auftraggeber gehen von Leistungen aus, die der Designer nicht eingeplant hat. Der Designer wiederum kalkuliert mit einem Umfang, der während des Projekts immer weiter wächst.
Deshalb definiere ich lieber zu Beginn einen realistischen Rahmen. Änderungen sind später natürlich möglich. Sie sollten dann aber als das behandelt werden, was sie sind: eine Erweiterung des ursprünglichen Projekts.
3. Das Design-Briefing: aus Wünschen werden verwertbare Informationen
Nach der Beauftragung wird aus dem ersten Gespräch ein konkretes Briefing. Hier kommen die Informationen zusammen, die für die Gestaltung tatsächlich benötigt werden.
Dazu gehören Texte, Logos, vorhandene Bilddaten, Corporate-Design-Vorgaben, technische Spezifikationen und inhaltliche Prioritäten. Bei umfangreicheren Projekten kann außerdem sinnvoll sein, bestehende Kommunikationsmittel oder Wettbewerber anzusehen.
Ein Briefing ist dabei keine Wunschliste mit Aussagen wie „modern“, „hochwertig“ oder „frisch“. Solche Begriffe sind zu dehnbar. Was für ein Technologieunternehmen modern wirkt, kann bei einer traditionsreichen Kanzlei völlig unpassend sein.
Deshalb versuche ich solche Begriffe zu konkretisieren. Soll der Auftritt reduziert oder lebendig sein? Seriös oder bewusst unkonventionell? Technisch oder menschlich? Soll vorhandenes Corporate Design konsequent angewendet oder weiterentwickelt werden?
Auch die Inhalte selbst brauchen Priorität. Eine Seite kann nicht fünf Botschaften gleichzeitig zum wichtigsten Element machen.
4. Konzept: Gestaltung beginnt vor dem Grafikprogramm
Wenn die Grundlagen stehen, beginnt die konzeptionelle Arbeit. Das heißt nicht zwangsläufig, dass zunächst stundenlang auf Papier gezeichnet wird. Je nach Projekt arbeite ich mit Skizzen, Scribbles, Referenzen, Inhaltsrastern oder ersten groben Layoutstrukturen.
In dieser Phase geht es darum, die visuelle Logik festzulegen. Welche Information bekommt die stärkste Hierarchie? Wie verhält sich Text zu Bild? Welche Gestaltungselemente wiederholen sich? Wie viel Ruhe braucht das Layout? Welche Rolle spielen Farben? Wie bleibt die Gestaltung auch über mehrere Seiten oder Medien konsistent?
Das ist der Unterschied zwischen einer einzelnen hübschen Seite und einem funktionierenden Gestaltungssystem.
Besonders bei Broschüren, Magazinen, Präsentationen oder umfangreichen Kommunikationsmitteln lohnt es sich, zunächst einige charakteristische Seiten zu entwickeln. Wenn das Prinzip funktioniert, kann es anschließend auf weitere Inhalte übertragen werden.

5. Entwurfsphase: Ideen werden sichtbar
Jetzt entstehen die ersten ausgearbeiteten Entwürfe. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Varianten zu produzieren. Mehr Auswahl führt nicht automatisch zu einer besseren Entscheidung.
Ich bevorzuge wenige begründete Richtungen. Jede Variante sollte einen nachvollziehbaren Gedanken verfolgen. Wenn fünf Entwürfe lediglich unterschiedliche Farben verwenden, sind es streng genommen keine fünf Konzepte.
In dieser Phase werden Typografie, Bildsprache, Flächen, Größenverhältnisse, Farbgebung und Informationshierarchie konkret. Gleichzeitig prüfe ich, wie das System im realen Medium funktioniert.
Ein häufiger Fehler ist, einen Entwurf nur isoliert auf einem großen Bildschirm zu beurteilen. Eine Visitenkarte muss in Originalgröße funktionieren. Eine Broschüre sollte als Doppelseite betrachtet werden. Ein Plakat braucht Distanzwirkung. Eine Social-Media-Grafik muss auch auf einem Smartphone schnell verständlich bleiben.
Das Medium entscheidet mit.
6. Die Präsentation: Ein Entwurf braucht Kontext
Ich halte wenig davon, einen neuen Entwurf kommentarlos per E-Mail zu verschicken und anschließend zu fragen: „Wie gefällt er Ihnen?“
Die Frage führt fast zwangsläufig zu Geschmack. Gefällt mir Pink? Ist die Schrift schön? Könnte das Bild größer sein?
Interessanter sind andere Fragen: Wird die wichtigste Information zuerst gesehen? Passt die Tonalität zur Zielgruppe? Ist der Auftritt glaubwürdig? Unterstützt das Layout die Marke? Ist die Argumentation nachvollziehbar?
Deshalb gehört zur Präsentation eines Entwurfs auch die Erklärung, warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden.
Das bedeutet nicht, dass ein Entwurf erst durch lange Erklärungen funktionieren darf. Im Gegenteil. Gute Gestaltung muss auch ohne Vortrag funktionieren. Die Präsentation hilft aber dabei, die dahinterliegende Logik zu verstehen und Feedback auf eine fachlich sinnvollere Ebene zu bringen.

7. Korrekturrunden: gutes Feedback macht Gestaltung besser
Korrekturen gehören zu jedem professionellen Designprojekt. Sie sind kein Zeichen dafür, dass ein erster Entwurf schlecht war. Häufig werden Details erst sichtbar, wenn Inhalte in einem konkreten Layout stehen.
Problematisch werden Korrekturen erst, wenn Feedback ungeordnet, widersprüchlich oder ohne klare Entscheidung gesammelt wird.
Hilfreiches Feedback ist beispielsweise:
- gebündelt statt über viele einzelne E-Mails verteilt,
- konkret statt „irgendwie moderner“,
- nach internem Abstimmungsprozess konsolidiert,
- inhaltlich von geschmacklichen Präferenzen getrennt,
- an der Zielgruppe und Projektaufgabe orientiert.
Eine der schwierigsten Situationen entsteht, wenn fünf Personen unabhängig voneinander korrigieren und jede Person eine andere Vorstellung verfolgt. Der Designer kann dann zwar jede Einzeländerung umsetzen – am Ende entsteht aber leicht ein Kompromiss, der schwächer ist als jede ursprüngliche Lösung.
Deshalb empfehle ich auf Kundenseite einen zentralen Ansprechpartner oder zumindest eine intern abgestimmte Rückmeldung.
Definierte Korrekturrunden helfen ebenfalls. Sie schaffen Verbindlichkeit, ohne Feedback unnötig einzuschränken.
8. Reinzeichnung: wenn aus Gestaltung Produktionsdaten werden
Ist der Entwurf abgestimmt, beginnt die Reinzeichnung. Dieser Arbeitsschritt ist weniger spektakulär als eine Designpräsentation, aber technisch entscheidend.
Jetzt werden Layout, Bilder, Schriften, Abstände, Farben und technische Vorgaben final geprüft. Bei Printprojekten kommen unter anderem Anschnitt, Bildauflösung, Farbprofile, Überdruckeinstellungen und das richtige PDF-Format hinzu.
Professionelle Layoutprogramme verfügen dafür über Preflight-Funktionen. Sie helfen dabei, fehlende Schriften, fehlerhafte Verknüpfungen, zu niedrig aufgelöste Bilder oder problematische Farbeinstellungen vor der Ausgabe zu erkennen.
Bei umfangreicheren Projekten werden außerdem alle benötigten Produktionsdaten sauber organisiert und archiviert. Das klingt nach Nebensache, wird aber spätestens dann wichtig, wenn ein Projekt Monate später aktualisiert werden soll.
Druckdaten sind nicht einfach „eine PDF“
Welche PDF-Einstellungen benötigt werden, hängt vom Produktionspartner und Druckverfahren ab. PDF/X-Standards wurden speziell für den zuverlässigen Austausch von Druckdaten entwickelt. Heute wird beispielsweise PDF/X-4 in vielen professionellen Workflows eingesetzt.
Trotzdem gilt: Die konkreten Anforderungen der Druckerei haben Vorrang. Farbprofil, Beschnitt, Sonderfarben, Veredelungen oder Stanzkonturen sollten deshalb bei außergewöhnlichen Produktionen möglichst vor der finalen Reinzeichnung geklärt werden.
9. Freigabe: die letzte gemeinsame Prüfung
Vor der Produktion erhält der Auftraggeber die finale Version zur Freigabe. Jetzt sollten Inhalte nicht nur gestalterisch, sondern sehr nüchtern geprüft werden.
Vor der finalen Freigabe prüfe ich gemeinsam mit dem Auftraggeber insbesondere:
- Namen und Schreibweisen,
- Telefonnummern und E-Mail-Adressen,
- Webadressen und QR-Codes,
- Preise, Daten und Termine,
- Bildzuordnungen und Bildunterschriften,
- rechtlich oder fachlich relevante Angaben,
- Seitenreihenfolge und Vollständigkeit.
Designer können viele Fehler erkennen. Fachlich verantworten kann ich aber nicht jede Aussage eines Kunden. Genau deshalb ist die Freigabe ein gemeinsamer Schritt.
Bei textintensiven Publikationen halte ich ein professionelles Lektorat für sinnvoll. Nach zwanzigmaligem Lesen sieht man bestimmte Fehler irgendwann schlicht nicht mehr. Das gilt für Designer genauso wie für Auftraggeber.
Was bei digitalen Grafikdesign-Projekten anders ist
Nicht jedes Grafikdesign-Projekt endet in der Druckerei. Präsentationen, Social-Media-Assets, digitale Anzeigen, PDF-Dokumente oder Bildschirmgrafiken haben andere technische Rahmenbedingungen.
Hier spielen Dateigröße, unterschiedliche Seitenverhältnisse, responsive Nutzung, Lesbarkeit auf kleinen Displays und gegebenenfalls Animation eine größere Rolle.
Ein LinkedIn-Motiv muss beispielsweise schon in der Vorschau funktionieren. Eine Präsentationsfolie darf nicht zur Broschürenseite auf einem Bildschirm werden. Und ein digitaler Geschäftsbericht sollte nicht nur optisch funktionieren, sondern möglichst auch sinnvoll strukturiert und zugänglich sein.
Deshalb gehört heute zum Grafikdesign zunehmend die Frage: In welchem Nutzungskontext begegnet der Mensch der Gestaltung?
Lesbarkeit und Barrierefreiheit gehören zur Gestaltung
Grafikdesign hat immer auch mit Lesbarkeit zu tun. Sehr kleine Schriften, schwache Kontraste oder Informationen, die ausschließlich über Farbe unterschieden werden, können die Nutzung unnötig erschweren.
Das gilt besonders bei digitalen Anwendungen und Dokumenten. Dort sollte Gestaltung so gedacht werden, dass Inhalte auch für möglichst viele Menschen zugänglich bleiben.
Kontrast, klare Hierarchien, ausreichende Schriftgrößen und eine nachvollziehbare Struktur sind deshalb keine Gegner guten Designs. Im Gegenteil: Häufig führen solche Anforderungen zu klareren Lösungen.
Bei barrierefreien PDFs kommen zusätzlich technische Aspekte wie Tags, logische Lesereihenfolge, Alternativtexte und Dokumentstruktur hinzu. Das ist ein eigenes Fachgebiet und sollte bei entsprechenden Anforderungen bereits in der Ausgangsdatei mitgedacht werden – nicht erst nachträglich im fertigen PDF.
Typische Fehler in Grafikdesign-Projekten
Zu früh über Gestaltung sprechen
„Blau oder Grün?“ ist keine sinnvolle erste Projektfrage. Zunächst sollte klar sein, was kommuniziert werden soll.
Zu viele Entscheider ohne klare Zuständigkeit
Viele Perspektiven können hilfreich sein. Viele unabhängig voneinander erteilte Änderungswünsche eher nicht. Feedback sollte intern gebündelt werden.
Inhalte kommen zu spät
Mit Blindtext lässt sich ein Layout entwickeln. Ein reales Kommunikationsmittel lässt sich damit nicht final beurteilen. Wenn Texte erst ganz am Ende kommen, verändern sich häufig Seitenumfang, Hierarchie und Bildaufteilung.
Gestaltung nur nach persönlichem Geschmack bewerten
Der Geschäftsführer muss die Lieblingsfarbe nicht auf jedem Kommunikationsmittel wiederfinden. Relevant ist zunächst, ob die Gestaltung zum Unternehmen, zur Marke und zur Zielgruppe passt.
Die Produktion erst am Ende berücksichtigen
Besondere Papiere, Stanzungen, Veredelungen oder außergewöhnliche Formate beeinflussen Gestaltung und Kosten. Solche Entscheidungen sollten nicht fünf Minuten vor Übergabe der Druckdaten entstehen.
Jede freie Fläche füllen
Weißraum ist kein ungenutzter Platz. Er strukturiert Inhalte, trennt Ebenen und schafft visuelle Ruhe. Eines der häufigsten Probleme schwächerer Gestaltungen ist nicht zu wenig, sondern zu viel.
Drei typische Projektszenarien
Die folgenden Beispiele sind typische, verdichtete Projektsituationen aus der Praxis. Sie zeigen Muster, ohne konkrete vertrauliche Kundendaten offenzulegen.
1. Die Broschüre, die alles sagen sollte
Ein mittelständisches Unternehmen möchte eine neue Imagebroschüre. Beim Briefing stellt sich heraus, dass zwölf verschiedene Leistungen, Unternehmensgeschichte, Werte, Nachhaltigkeit, Karriere, Referenzen und sämtliche Ansprechpartner auf zwölf Seiten untergebracht werden sollen.
Das eigentliche Designproblem lautet hier nicht „Wie bekommen wir alles hinein?“, sondern „Was muss wirklich hinein?“.
Die Lösung beginnt mit redaktioneller Priorisierung. Hauptleistungen erhalten mehr Raum. Wiederholungen werden gestrichen. Hintergrundinformationen wandern auf die Website. Projekte übernehmen einen Teil der Argumentation visuell.
Das Ergebnis ist keine vollere Broschüre, sondern eine verständlichere.
2. Der Flyer, der nach jedem Feedback voller wurde
Ein Dienstleister benötigt einen kompakten Vertriebsflyer. Der erste Entwurf ist bewusst klar aufgebaut: Problem, Leistung, drei Argumente und Kontakt.
Während der Abstimmung kommen immer neue Wünsche hinzu. Noch ein Leistungsbereich. Ein zusätzliches Gütesiegel. Vier Partnerlogos. Zwei weitere Telefonnummern. Eine zusätzliche Erklärung.
Irgendwann ist der Flyer vollständig – und fast unlesbar.
In solchen Situationen gehört es zu meiner Aufgabe, nicht jede Ergänzung kommentarlos umzusetzen. Die bessere Frage lautet: Welche Information hilft tatsächlich bei der Entscheidung?
Manchmal bedeutet gutes Design auch, etwas bewusst nicht aufzunehmen.
3. Das bestehende Corporate Design funktioniert nur auf Briefpapier
Ein Unternehmen besitzt Logo, Farben und zwei Hausschriften. Formal existiert damit ein Corporate Design. In der täglichen Anwendung fehlt jedoch ein System.
Präsentationen sehen anders aus als Broschüren. Social-Media-Grafiken entstehen jedes Mal neu. Anzeigen haben keine erkennbare Linie.
Hier besteht das Projekt nicht darin, das Logo neu zu gestalten. Stattdessen werden aus vorhandenen Elementen funktionierende Gestaltungsprinzipien entwickelt: Raster, Typohierarchien, Bildsprache, Farbverteilung und wiederkehrende Module.
Aus einzelnen Gestaltungsvorgaben entsteht dadurch ein nutzbares System.
Was ich aus vielen Grafikdesign-Projekten gelernt habe
Der beste Entwurf entsteht selten dadurch, dass der Designer möglichst ungestört „kreativ sein darf“. Gute Ergebnisse entstehen durch gute Zusammenarbeit – allerdings nicht durch gemeinsame Pixelarbeit.
Der Auftraggeber kennt sein Unternehmen. Ich bringe die gestalterische und kommunikative Perspektive ein. Beide Rollen sind wichtig.
Problematisch wird es, wenn die Rollen verschwimmen: Wenn der Designer Unternehmensstrategie erraten soll oder der Auftraggeber Gestaltung ausschließlich über Einzelanweisungen steuert.
Ein professioneller Prozess schafft deshalb keine Distanz. Er schafft Klarheit.
Und diese Klarheit merkt man am Ende meistens auch der Gestaltung an.
Häufige Fragen zum Grafikdesign Projektablauf
Wie beginnt ein Grafikdesign-Projekt?
Ein professionelles Grafikdesign-Projekt beginnt mit einem Gespräch über Ziel, Zielgruppe, Inhalte, Medium, vorhandenes Corporate Design und technische Anforderungen. Erst wenn die Aufgabe klar ist, sollte die eigentliche Gestaltung beginnen.
Welche Unterlagen benötigt ein Grafikdesigner?
Das hängt vom Projekt ab. Häufig benötigt werden Logos, Texte, Bilder, vorhandene Corporate-Design-Vorgaben, Kontaktdaten und technische Spezifikationen. Fehlende Inhalte oder Materialien sollten möglichst früh identifiziert werden.
Wie viele Entwürfe sind sinnvoll?
Mehr Entwürfe bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse. Häufig sind wenige, nachvollziehbar unterschiedliche Richtungen sinnvoller als viele oberflächliche Varianten.
Wie laufen Korrekturrunden ab?
Feedback sollte möglichst gesammelt und intern abgestimmt übermittelt werden. Anschließend werden vereinbarte Änderungen umgesetzt und erneut geprüft. Anzahl und Umfang der Korrekturrunden sollten im Angebot definiert sein.
Was bedeutet Reinzeichnung?
Bei der Reinzeichnung wird ein freigegebener Entwurf technisch finalisiert. Dazu gehören je nach Medium unter anderem Bildauflösung, Farben, Schriften, Abstände, Anschnitt, Verknüpfungen und die korrekten Ausgabeformate.
Was ist eine druckfertige PDF?
Eine druckfertige PDF erfüllt die technischen Anforderungen des jeweiligen Produktionspartners. Dazu können Beschnitt, Farbprofil, eingebettete Schriften und ein geeigneter PDF/X-Standard gehören. Die konkreten Vorgaben der Druckerei sollten immer berücksichtigt werden.
Kann ein Grafikdesigner auch die Druckproduktion übernehmen?
Ja. Je nach Projekt kann neben Gestaltung und Reinzeichnung auch die Abstimmung mit Druckerei oder Produktionspartner, Datenübergabe und Kontrolle technischer Spezifikationen übernommen werden.
Wie lange dauert ein Grafikdesign-Projekt?
Die Dauer hängt stark von Umfang, Inhaltslage, Abstimmungswegen und Produktion ab. Ein einzelnes Werbemittel lässt sich deutlich schneller realisieren als eine umfangreiche Broschüre, ein Magazin oder ein medienübergreifendes Gestaltungssystem.
Sie planen ein Grafikdesign-Projekt?
Wenn Sie bereits genau wissen, was Sie brauchen, können wir direkt über Umfang und Umsetzung sprechen. Wenn die Aufgabe noch nicht vollständig geklärt ist, ist das ebenfalls kein Problem. Häufig entsteht die sinnvollste Lösung erst im gemeinsamen Gespräch.
Passende Inhalte und Leistungen
Weiterführende Quellen
Adobe: Druckfertige PDF-Dateien erstellen
Adobe: InDesign-Dateien verpacken
ISO: PDF/X-4 – ISO 15930-7
W3C: WCAG 2.2